01
Sep
Hörtheater zum Weltfriedenstag // Diesen Sommer trage ich weiß
19:00
01-09-17

Anlässlich des Weltfriedenstages, am  1. Spetember 2017,  lädt das Budde-Haus zum Hörtheater // Diesen Sommer trage ich weiss // ein. Das Theater Eumeniden inszeniert das Hörtheater nach einer Text-Collage von Undine M. Pelny.

Hörtheater  zum Weltfriedenstag // Diesen Sommer trage ich weiss

Ulrike Thomazyk fährt mit einer Reisegruppe an die Kriegsgräberstätten in der Ukraine. Mit ihren Erinnerungen im Gepäck begegnet sie dem Schicksal ihres Onkels Arthur, der in der Schlacht vor Stalingrad sein noch junges Leben ließ. Sie stellt sich Fragen nach dem Tod und seinen Spuren im Leben derer, die zurück bleiben. Nach den Wunden, die ein Krieg reißt, und nach der Zeit, die nicht alle Wunden heilt.

Regie & Dramaturgie: Janna Kagerer ; Musik (Piano): Katharina Pluta;
Rezitation: Alexander Daberkow, Anja Schwede, Lisa Pawula.

Interview mit der Autorin Undine M. Pelny

In der Ankündigung Ihrer Aufführung ist von einem Hörtheater die Rede. 
Was ist darunter zu verstehen?

Die Idee hierzu hatte Janna Kagerer vom Theater Eumeniden. Ich habe ihr meinen Text vorgestellt, der nicht so einfach einem bestimmten Genre zuzuordnen, also weder ein Theaterstück noch eine Erzählung ist. Es ist eine Collage aus Momentaufnahmen aus verschiedenen Zeitebenen. Es war also die Frage, wie lässt sich das für das Publikum nachvollziehbar aufbereiten. Janna Kagerer entschied sich, mit drei Sprechern diese Zeitebenen deutlicher werden zu lassen. Zusätzlich wird der Zuhörer auch zum Zuschauer, wenn Originalzitate aus den Wehrmachtsberichten an der Wand auftauchen, die er selbst liest. Theater wäre zu viel gesagt, Lesung zu wenig.

Worum geht es inhaltlich in Ihrem Stück?

Es geht um die Reise der Protagonistin Ulrike an die Kriegsgräberstätten in der Ukraine. Ihr eigener Onkel Artur ist vor Stalingrad mit gerade 19 Jahren gefallen. Während ihrer Reise kann das Publikum zum einen parallel den Feldzug von Arturs Regiment an Hand der Zitate aus den Wehrmachtsberichten nachverfolgen, zum anderen Ulrike auf ihrer Reise in der Gegenwart begleiten. Es tauchen andere Reisende auf und deren Verhältnis zu den Kriegstoten, aber auch Erinnerungen von Ulrike an ihren eben verstorbenen Vater und den ebenfalls verstorbenen und ihr sehr nahestehenden Cousin Walter. Sie stellt sich Fragen nach dem Tod und seinen Spuren im Leben derer, die zurück bleiben. Nach den Wunden, die ein Krieg reißt, und nach der Zeit, die keineswegs alle Wunden heilt.

Das Stück wird am Weltfriedenstag aufgeführt. Ist das Zufall oder Absicht?

 Für mich ist es wichtiger denn je, mit diesem Text ein Zeichen zu setzen. Als ich im Jahr 2011 diese Reise an die Kriegsgräberstätten in der Ukraine antrat, ahnte ich nicht, dass viele der Städte, die ich in der Ostukraine besuchte, bald wieder zum Ort furchtbarer Kriegshandlungen werden würden. Es war ein Schock für mich, die Bilder zu sehen und Menschen, mit denen ich gerade noch gesprochen hatte. Nichts hat mich mehr die Zerbrechlichkeit von Frieden gelehrt als diese Erfahrung! Auch darauf möchte ich mit der Aufführung des Stückes hinweisen: Frieden ist ein hohes Gut und in hohem Masse gefährdet. Ich zeige in meinem Text auch, wie lange die durch den Krieg erfahrenen menschlichen Verluste nachwirken.

Können Sie ein Beispiel für solche Nachwirkungen nennen?

Eine alte Dame hatte mir vor vielen Jahren mal gesagt, dass die Russen so lange ihre Feinde bleiben, wie sie ihr nicht sagen können, wo ihr Mann begraben liegt. Als ich diese Reise antrat, habe ich genau das bei den Mitreisenden gespürt: nach so vielen Jahren immer noch unsäglichen Schmerz und Trauer um die, die durch den II. Weltkrieg aus ihrem hoffnungsvollen Leben gerissen wurden, aber auch Frieden finden mit dem Wissen darum, dass die Toten eine würdige Grabstätte gefunden haben. Denn um die Soldaten zu trauern, heißt nicht, ihre Taten gutzuheißen, sondern das Leid zu erkennen, das Krieg über Menschen bringt und alles zu tun, damit dies nicht mehr geschieht.

 

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