Ein Vortrag über Knigge im Gohliser KIEZ

Wir entdeckten bei unserer Einpflege von Veranstaltungen im Gohliser KIEZ, dass das Budde-Haus am Mittwoch, den 17. Mai 2017  zu der kostenfreien Veranstaltung „Knigge, gestern und heute“ einlädt. Ein paar Tage nachdem wir es in den KIEZterminkalender aufgenommen hatten, sinnierten wir noch immer über Knigge und recherchierten nach. Das Ergebnis? Lest selbst:

Knigge – Benimmregeln oder Umgangsregeln?!

Knigge. Knigge? Ist das nicht der altertümliche, leicht verstaubte Benimmapostel aus der Zeit unserer Urgroßeltern, den man im Alltag leichtfüssig und mit nur rudimentärem Hintergrundwissen bei (fehlenden) Tischmanieren oder bei der Frage nach dem „Tür aufhalten“ ins Gespräch bringt? Sind die „Benimmregeln“ des Knigge noch zeitgemäß oder sind sie verstaubte Relikte einer längst vergangenen Zeit?

Freiherr Knigge @wikimedia.org
Freiherr Knigge @wikimedia.org

Wir können es nicht leugnen, der „Knigge“ (landläufige Bezeichnung für die Publikation „Über den Umgang mit Menschen“, 1788 erschienen) ist noch immer ein geflügeltes Wort für Anstand und Benimm, wie er es bereits zu Lebzeiten Knigges im 18./19. Jahrhundert war. Gleichwohl sehr interessant ist es, dass die ursprüngliche Veröffentlichung weniger Benimmbuch, denn vielmehr eine „einsichtsreiche und eine von den Idealen der Aufklärung geprägte Sammlung von ‚Umgangsregeln‘ ist“.  (Quelle: Wikipedia)

Umgangsregeln werden laut Wikipedia von Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge nicht im Sinne von „konventioneller Höflichkeit oder gar gefährlichen Politik“ verstanden, sondern basieren auf einem System, „dessen Grundpfeiler Moral und Weltklugheit sind“.  Das klingt ziemlich komplex und verbinden wir ehrlich gesagt nicht mit DEM Knigge, von dem heute gesprochen wird.

Knigge ist nicht gleich „Knigge“

Wir sind irritiert, aber Ingo Hermann findet in seinem Buch „Knigge – Die Biografie“ klare Worte:

Kein zweites Werk der deutschen Geistesgeschichte wurde von der Nachwelt so gründlich missverstanden und verfälscht, weshalb sein Autor heute nicht als Wegbereiter der Aufklärung, sondern als Benimm-Apostel jedermann bekannt ist.

Ertappt. Und weil wir Knigge  bisher selbst auch immer nur als „Benimm-Apostel“ wahrgenommen haben und wir uns selbst von dem aufklärerischen Ansatz überzeugen lassen wollten, haben wir mal in den originalen „Knigge“ reingeschaut. (Dies kann man großartigerweise online im Deutschen Textarchiv tun und sich dort auch die originalen Inhalte als Textdatei herunterladen.)  Auch wir stellten bei der Lektüre fest, dass man keine konkreten „Benimmregeln“ findet, sondern eher weitschweifige, beobachtende Ausführungen und Handlungsempfehlungen für einen Umgang mit Menschen im Kontext der damaligen Zeit. Also keine Anstandsfibel, aber ja, aktuelle Bezüge zum Umgang mit Menschen lassen sich auf jeden Fall herstellen 😉 !

Das, wofür der „Knigge“ heute landläufig steht,  die Regeln zum Benimm, wurde wohl erst nach dem Tod Knigges vom Verlag ergänzt und in regelmäßigen Abständen bei Neuauflagen aktualisiert und erweitert. So lässt es sich im Wikipedia-Eintrag lesen.

Knigge, gestern und heute

Auch wenn es nicht das Ansinnen des Aufklärers Knigge war ein „Benimmbuch“ zu verfassen, dass auch drei Jahrhunderte später noch gerne situativ angeführt wird, so wollte er doch

den Menschen Dinge mit auf den Weg geben, um diese vor den Tritt in die Fettnäpfchen zu bewahren, in die er selbst oft genug hineintappte,

erläutert uns Frauke Weigand, Vorstandsmitglied der Deutschen Kniggegesellschaft und Inhaberin der Knigge- und Veranstaltungsagentur „Actiopro“, als wir sie als Spezialistin für  Knigge-Fragen dazu befragen. Wer einen Vortrag oder Kurs bei der IHK-zertifizierten „Trainerin für Businessettikette“ besucht, der stellt sich die Frage, inwieweit gute Umgangsformen verstaubt Relikte oder unerlässlich sind, berichtet Weigand. Sie selbst hat einen klaren Standpunkt als Knigge-Fachfrau dazu:

Freundlichkeit, Höflichkeit und gutes Benehmen sind die Mittel, die jedem den Weg zum Erfolg im Umgang mit anderen und mit sich selbst erleichtern. Je früher man mit den Umgangsformen vertraut wird, desto selbstverständlicher werden sie als Erwachsene ihre Herausforderungen in allen Lebenslagen souverän meistern.

Knigge-Vortrag im Budde-Haus

Für uns sind trotz Recherche noch nicht alle Fragen geklärt: Der „Knigge“ im ursprünglichen Verständnis ist also weniger der Etiketten-Beschützer, dafür  Wegbegleiter für ein besseres Miteinander? Die Benimmregeln die wir damit verbunden haben sind also „nur“ hinzugedichtet? Wie sind die uns bekannten „Knigge“-Regeln (also „nach Knigge gehört es sich …“) jetzt zu bewerten?

Diese Fragen werden mit Sicherheit am 17. Mai 2017 bei Frauke Weigand im Gohliser Budde-Haus in ihrem Vortrag geklärt, denn sie kündigte uns an, dass sie zudem auch Hinweise zu damaligen Verhaltensweisen geben und an aktuelle Umgangsempfehlungen erinnern wird.

Knigge-Vortrag im Budde-Haus in Leipzig ©GohliserKIEZgefluester

Heutzutage wird wieder verstärkt auf Ton und Takt geachtet und dabei stärkt gutes Benehmen nicht nur das Selbstvertrauen sondern bewirkt damit auch eine positive Ausstrahlung auf andere. (Frauke Weigand)


Auf einem Blick:
Vortrag „Knigge gestern und heute“
Mittwoch, 17. Mai 2017, 19:00 Uhr im Budde-Haus (Einlass: 18:00 Uhr)
Der Eintritt ist kostenfrei.
(Platzreservierungen unter: 0341 90960037 oder kontakt@budde-haus.de)
Und hier geht es zur Facebook-Veranstaltung.

Gut zu wissen:
Seit April 2017 führt Frauke Weigand im Budde-Haus regelmäßig aller zwei Wochen montags eine „Kniggesprechstunde“  durch.

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