Kahlschlag an den Gleisen – kaum Grün mehr an Gleisen in Gohlis

Was der Förster dem Wald , ist die Deutsche Bahn bzw. die DB Fahrwegedienste den Böschungen an Gleisen in der Stadt. Sie kümmert sich, sie pflegt und tut Dinge, die man von außen oft völlig unnötig und überzogen findet, dann in Teilen akzeptiert und am Ende  trotzdem  bedauert. So auch hier im Gohliser KIEZ.

Kaum einem, der sich in Gohlis Mitte in den letzten Wochen und Monaten durch den KIEZ bewegt hat, wird entgangen sein, dass unser „Gleisförster“ seines Amtes gewaltet hat. Überaus erfolgreich in Hinsicht auf die  Reduzierung von Stadtgrün im Abschnitt Bahnhof Gohlis zum Coppiplatz bis hin nach Möckern.

Gohliser Bahndamm im Januar 2016
Januar 2016: Stapelweise Baumstämme liegen am Gohliser Bahndamm an der Breitenfelder Straße.
Gohliser Bahndamm im Februar 2016
Februar 2016: Weiter geht es am Gohliser Bahndamm, es wird gesägt was zu sägen ist.

Wir haben neugierig und unwissend über die Hintergründe zur Abholzung bereits im Februar die Deutsche Bahn angefragt und um Auskunft gebeten.  Auf unsere Nachfrage hin antwortete das DB Pressebüro am 19. Februar per E-Mail:

Es handelt sich bei dieser Maßnahme um eine komplette Durchforstung des Bestands im Sinne der Verkehrssicherungspflicht und Vegetationspflege zwischen den Haltepunkten Leipzig-Gohlis und Möckern im Streckenkilomer 1 bis 3 beidseits der Gleise in einem Einschnitt, d. h . in Hanglage. Die Baumfällarbeiten waren zum großen Teil bereits Anfang Februar beendet. Die restlichen Pflegearbeiten im genannten Bereich erfolgen ab März, dabei wird vorrangig der Neuaustrieb aus der letzten Vegetationsperiode auf Stock gesetzt. 

 OK. Dafür haben wir volles Verständnis, denn der Grund liegt auf der Hand, es geht um Sicherungsmaßnahmen u.a. für die Oberleitungen an den Gleisen. Es gibt sicherlich eine Menge Pendler in Gohlis, die sehr dankbar sind, wenn im Vorhinein alles dafür getan wird, dass die Züge ohne Unterbrechung fahren können. Ungeachtet dessen sind wir alle froh, wenn es nicht zu Zugunfällen kommt.

Allerdings, was uns nicht froh macht ist der Anblick nach den umfassenden Sanierungsmaßnahmen. Weiterhin konnte man wie  angekündigt nämlich ab 20. April 2016 erneut Motorengeräusche hören. Alles was jetzt noch in Gleisnähe einem Busch oder Strauch ähnlich sah und im Februar noch nicht zum Opfer fiel, wurde an diesem Tag komplett entfernt.

Gohliser Bahndamm im April 2016
April 2016: Am Gleisabschnitt zwischen Coppistraße und Sasstrasse sind die Arbeiter im Einsatz.

Nach dem Prinzip 4 Mann 4 Ecken wurde fleißig binnen weniger Stunden alles was  noch ansatzweise als Begrünung erkennbar war weggemacht. In ähnlicher Form wurde das Grün an den Gleisen bereits vor wenigen Jahren hier in Gohlis beseitigt, allerdings steht der Umfang unserer Erinnerung nach in keinem Vergleich, denn hier wurde verschnitten und nicht abgeholzt und im Laufe des Frühlings und Sommers konnte sich wieder „Austrieb“ entwickeln.

Dies ist für 2016 aus Sicherheitsgründen nicht mehr vorgesehen schreibt uns das Regionalbüro Kommunikation für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen der DB  und erläutert dazu die Fokussierung auf die beiden Haltestellen im KIEZ in der E-Mail vom Februar:

Vor allem im Streckenkilometer 2,8 und 3,4 sind überhängende, stark ausladende Bäume entnommen worden, um auf einen stabilen Bestand unter den gegebenen Standortbedingungen zurückzusetzen. Hierbei sind u.a. maßgebend die Standortverhältnisse vor Ort, der Zustand des Bestands sowie die Oberleitungsabstände nach VDE.

Weiterhin versichert die DB Pressestelle, dass es

auf Grund der erheblichen Kosten für die Verkehrssicherung entlang der Gleisanlagen … im Interesse der DB (liegt), nur die wirklich notwendigen Maßnahmen umzusetzen.

In diesem Kosten-Kontext finden wir dann auch die „Erklärung“ dazu, dass weder Ausgleichspflanzungen im KIEZ noch eine kontrollierte Beforstung mit niedrig wachsenden Pflanzen geplant ist, da sich die Wiederaufforstung von alleine regulieren wird:

Erfahrungsgemäß kann man an Bahnstrecken von mindestens 80 Prozent Stockausschlägen ausgehen, die regelmäßig gepflegt werden müssen. Es entstehen neue ökologische Lebensräume in vegetationsfreien Zonen neben dem Gleis. Hier können sich seltene, meist wärmeliebende Tiere und Pflanzen ansiedeln. Durch die regelmäßige Bewirtschaftung entstehen Naturlebensräume wie beispielsweise Niederwälder, früher in der Kulturlandschaft weit verbreitet, wie Sie heute kaum noch vorkommen. Daher ist eine Ersatzmaßnahme nicht geplant.

Und was sagt die Stadt Leipzig dazu? Im Amt für Stadtgrün und Gewässer ist der zuständige Sachbearbeiter äußerst zuvorkommend und bemüht und teilt unsere Ansicht, dass wer nimmt (nehmen muss) optimalerweise auch dem entsprechenden Stadtviertel geben sollte. Letztlich kann er jedoch in dieser Frage nur wieder an die Deutsche Bahn und die DB Fahrwegdienste GmbH verweisen. Die Mitarbeiterin der DB Fahrwegdienste ist ebenfalls sehr freundlich und verständig im Telefonat, in der uns erreichten E-Mail vom 11. Mai 2016 wird auf die Frage der Ausgleichspflanzungen jedoch leider nicht (mehr) eingegangen und dafür allgemeine Informationen zum Vegetationskonzept gereicht. Bedauerlich.

Update 15.Juni 2016:
Auch wenn es im Frühling gruselig aussah, heute morgen zeigte sich dieses versöhnliche Bild:

Es grünt wieder an den Bahngleisen in Gohlis
Es grünt wieder an den Bahngleisen in Gohlis.

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