KIEZkopf #3 Hansgeorg -Werner- Herold engagiert für den KIEZ

„Ich will mich durch Mitwirkung einmischen“

Das Interview mit dem Gohliser KIEZkopf Hansgeorg ‚Werner‘ Herold führe ich am Telefon. Werner springt kurzfristig ein, bereitet  einen Lebenslauf, ist zum vereinbarten Termin am Telefon, und weil er uns Zeit ersparen will, schickt er mir sogar noch ein Foto von sich zu. „Ist doch selbstverständlich.“ zeigt sich Werner verwundert über meine Dankbarkeit. Selbstverständlich ist das in meinen Augen nicht und erwartet hätte ich es auch nicht. Aber so ist Werner, der gestandene KIEZbewohner ist ein engagierter und dabei verbindlicher „Macher“ der in unserem Stadtteil zahlreiche Akteursrunden mit initiiert und Projekte ermöglicht hat.

Die Arbeit führte KIEZkopf Hansgeorg ‚Werner‘ Herold 1968 in den Stadtteil Gohlis. Immer schon ein Kind des Leipziger Nordens, fand er kurz darauf seine erste Gohliser Wohnung im Schillerweg. In die Ausbauwohnung investierte er insgesamt 14.000 Mark – in das Stadtviertel seiner Wahl seitdem fast seine gesamte freie Zeit.

Ich bin glücklicher Gohliser, hier gibt es eine tolle Infrastruktur und viele Freunde und Bekannte wohnen hier

sprudelt es aus dem Ruheständler heraus, der in unmittelbarer Nähe zum Schillerhaus wohnt, für das er seit vielen Jahren als Mitglied im „Freundeskreis Schillerhaus“ aktiv ist.

KIEZkopf #3 Hansgeorg 'Werner' Herold. Foto: privat
KIEZkopf #3 Hansgeorg ‚Werner‘ Herold. Foto: privat

Für den noch immer freischaffenden Journalisten, der u.a. stellvertretender Vertriebsleiter der LVZ war, begann sein Engagement für den KIEZ bereits 1992. Als Mitglied Nr. 20 führt ihn seither der Bürgerverein Gohlis e.V., für den er etwa 10 Jahre als Vorstandsmitglied die Stadtteilentwicklung entscheiden prägte.

Grundlegend neu war damals, dass wir uns einmischen durften. Wir haben viele Dinge angefasst die heute gar nicht mehr notwendig sind,

resümiert Herold und freut sich, dass inzwischen eine neue Generation das Steuer übernommen hat.

Ich will mich einmischen!

Die Herausforderungen und die Aufgaben im lokalen Bürgerengagement haben sich, ebenso wie das Stadtviertel selbst, geändert – der eigene Anspruch des Kabarettliebhabers jedoch nicht.

Ich will mich einmischen. In alle denkbaren Prozesse, nicht im Sinne von Meckern, sondern durch meine tätige Mitwirkung.

Dies ist weder damals noch heute eine Selbstverständlichkeit, dennoch stellt Herold fest, dass die Strukturen heute andere sind.

Die jungen Leute wollen sich maximal in Initiativen einbringen aber nicht langfristig wie zum Beispiel in Vereine.

Er sagt dies nicht vorwurfsvoll, aber merkt man ihm an, dass er dafür gerne eine Lösung finden würde.

Es passiert schon sehr viel auf der Georg-Schumann-Straße.

Werner Herold mischt sich ein, nicht nur durch Vereinsarbeit, sondern seit 2011 auch als Gründungsmitglied im Magistralenrat der Georg-Schumann-Straße. Zahlreiche Projekte konnten dank der städtischen Förderung und dem Engagement der ansässigen Akteure der Magistrale angestoßen und realisiert werden. Aber auch hier denkt Herold weiter:

Wenn das Magistralenmanagement mal keine Fördermittel mehr erhält, dann müssen die Tätigkeiten weitergeführt werden. Daher haben wir überlegt: Was können wir dann machen?

Hansgeorg 'Werner' Herold ist zwar bereits im Ruhestand, aber ein Homeoffice betreibt er noch für sein Engagement für seinen Stadtteil Gohlis. Foto: privat
Hansgeorg ‚Werner‘ Herold ist zwar bereits im Ruhestand, aber ein Homeoffice betreibt er noch für sein Engagement für seinen Stadtteil Gohlis. Foto: privat

Der 74-jährige studierte Bauingenieur und Diplomökonom zögerte nicht lange und gründet 2015 gemeinsam mit engagierten Bürgern den Förderverein Georg-Schumann-Straße e.V., mit dem Ziel, den über städtische Finanzierung angeschobenen Projektideen einen Träger vor Ort zu bieten. Über die KIEZgrenzen hinaus bekannte Projekte wie die „Nacht der Kunst“, das von ihm mit initiierte Event „Leipzig liest an Leipzigs längster Straße“ und in Kürze auch das Projekt „Grüne Schumann“ sind nun zukunftsorientiert beim Förderverein ansässig.
Aktuell engagiert sich Werner Herold im Autorenteam für das Gohliser Ortslexikon anlässlich des 700-jährigen Stadteiljubiläums und hat dabei mal wieder die Vergangenheit im Blick, während er die Zukunft weiter mit gestaltet.

 

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