KIEZkopf #4 – Dirk Kallenbach zwischen der Liebe zum KIEZ und zur Kultur

Es ist Dienstag früh, Dirk Kallenbach hat kurzfristig einen Interviewtermin ermöglicht und empfängt direkt im Anschluss eines Gesprächstermins. Wir setzen uns an einen Tisch im hinteren Teil und der zweifache Familienvater nimmt sich Zeit für unser Gespräch. Während des Interviews gibt es immer wieder kurze Unterbrechungen: Hier eine herzliche Verabschiedung, da ein fröhliches Hallo, dort ein Hinweis an den Mitarbeiter und auch Familienhund Lilly schaut vorbei.

„Es ist gerade viel los“, entschuldigt sich Kallenbach, der seit 2001 die Geschäfte der 1987 von seinem Vater gegründete Polsterei und zudem seit 6 Jahren die Gohliser Wirtschaft betreibt. Auf die Frage, wie lange er schon in Gohlis lebt, schaut Dirk Kallenbach etwas unverständlich:

„Ich lebe schon immer hier. Ich bin in Gohlis Nord aufgewachsen, und inzwischen bin ich hier in Gohlis Süd zuhause. Hier ist etwas wärmer als im Norden, nicht nur klimatisch, sondern auch im Miteinander, ich fühle ich mich hier sehr wohl.“

Kallenbach lebt in Gohlis, hier arbeitet er, hier genießt er die wenige freie Zeit bei Spaziergängen mit seiner Familie im Rosenthal und hier trifft er sich abends mit Freunden. In andere Stadtviertel zieht es ihn wenig, wenn dann deshalb, weil ihm in Gohlis Süd „ein bisschen die kleine und feine Gastronomie“ fehlt.

Heute würde der Geduldsfaden wohl eher reißen

Dirk Kallenbach (r.) @Kallenbach

Als Meister in seinem Handwerk, „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger“ und Betriebswirt im Handwerk ist Kallenbach für 26 Mitarbeiter und seine zahlreiche Kundschaft im Ladengeschäft und in der Polsterei in der Gohliser Hornfabrik zuständig.

„Um einen alten Sessel zu schnüren braucht man rund eine Woche, das bekomme ich heute nicht mehr hin, weder zeitlich noch ist der Geduldsfaden so stark wie früher“

so Kallenbach ein wenig wehmütig aber auch pragmatisch und verweist stolz auf die Arbeit seines Teams.
Arbeit, Wohnen und Kulturgenuss miteinander zu verbinden, den Stadtteil in seiner kulturellen Vielfalt zu unterstützen, das liegt dem Mann, der bereits als Sänger „Major Tom“ beim Neujahrssingen der Gastronomen auf der Bühne im Anker stand, sehr am Herzen. Seit 10 Jahren unterstützt er daher als Fördermitglied den Kulturverein ProGohlis „mit ganzer Kraft“ und stellt dabei nicht nur den Raum, sondern auch die fleißigen Hände für die monatlichen Theaterstücke der Reihe „Zu Gast bei Kallenbach“ kostenfrei zur Verfügung. Mit den Einnahmen werden kulturelle Angebote für Gohliser Kinder und einmal im Jahr ein großes Kinderfest auf dem Richterfest ermöglicht.

Dienstag Abend um acht mit Kallenbach

Auch wenn es naheliegend erscheint, dass sich Dirk Kallenbach als junger Mann für die Fortführung des Familienbetriebs entscheidet, er hatte andere Pläne. Ab der 8. Klasse fuhr er täglich von Gohlis bis nach Markkleeberg zum Gymnasium mit musischem Profil. Sein Berufswunsch damals: Musiklehrer. Mitte der 11. Klasse, bereits 1989, wurde ihm jedoch das Abitur aus politischen Gründen verwehrt. Er wägt ab und entscheidet sich nun doch für eine Ausbildung als Raumausstatter.

Erst viele Jahre später greift Kallenbach erneut zur Gitarre, „ganz klassich, um meinen Kindern Schlaflieder vorzuspielen“. Seit dem nimmt er sich einmal in der Woche Zeit für Musik und ist als Gitarrist und Sänger in der Gohliser Jazzband „Tuesday8“ aktiv.

Ob im Norden oder im Süden von Gohlis – hier im Gohliser KIEZ ist Kallenbach zu Hause:

„ Wir  gehören hier ja eigentlich bereits zu Zentrum Nord , das verstehe ich aber nicht, bis zur Michaeliskirche ist doch irgendwie mental alles Gohlis!“

Unter der Rubrik KIEZköpfe werden engagierte Gohliserinnen und Gohliser in einem Porträt
vorgestellt. Die Rubrik KIEZköpfe wurde 2017 in Kooperation mit  dem Bürgerverein Gohlis e.V. eingeführt. Das jeweilige KIEZkopf-Portrait erscheint hier auf dem Blog kiezgefluester.de und abgedruckt im aktuellen „Gohlis Forum„.

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